Kunst
Kunst als Kommunikationsform ist nicht an traditionelle Kunsträume oder Kunstfertigkeiten gebunden, sie kann überall sein, im Space, im Off-Space und darüber hinaus.
Dies bedeutet auch, von der Medienvielfalt Gebrauch zu machen, multimedial zu verfahren.
Selbstorganisation im Sinne von Selbstbesetzung.
Und mit Selbstorganisation ist ein anderes Verständnis von Öffentlichkeit gemeint: Positionierung und Eingriff, Handlungsfähigkeit.
Die Diskussion und Kritik des Autonomiebegriffs – und damit die Vorstellung vom autonomen Künstler, dem schöpferischen Künstler, oder der autonomen Kunst – ist ein deutlicher Effekt einer verändernden Praxis und entspricht offensichtlich dem Bedürfnis nach kommunikativen Situationen und sozialen Beziehungen im Kontext der Sehnsucht, Kunst und Leben verbinden zu können.
Das Bemühen um Veränderung bleibt, nur zielt es nicht auf das absolute Ganze oder vollkommen Neue. Im Moment der Veränderung strebt es nichts an und nirgends hin, keine Absicht, keinen Zweck, geht nur weiter bis es wieder einen Unterschied setzt und wieder einen Anfang macht: ein nomadisches Gehen.
Die Kunst kann nicht das sein, was genial-schöpferisch sein soll. Sie kann vielmehr als ein dynamisches System bezeichnet werden, das unter einer Regie strukturiert und vorgestellt werden kann.
Künstlerinnen und Künstler, Personen, schreibende, malende, filmende, musizierende und alle anderen eignen sich dabei Ideen und Gedanken an, verdichten, machen Dichtung, und verlieren die Anführungszeichen. Einen Verweis müssen sie nicht bringen. Sie können das einbringen, was sich im Gedächtnis eingelagert hat und was sie erinnern und vergegenwärtigen.
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Es kommt nicht darauf an, etwas neu zu erfinden. Es kommt darauf an, das eine mit dem anderen zu verbinden und den Faden anzuziehen.
Künstlerische Arbeiten sind Projekt oder Vorschlag für eine Wahrnehmung, eine Vorstellung und Darstellung, für eine Phantasie, für eine Position und Subversion, und dies gilt für alle Medien der Künste.
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Lyotard wählte für diesen Vorgang den Begriff Übersetzung. Die Übersetzenden können die Vorgabe modifizieren und für andere Lektüren öffnen oder sie in ihrer Unlesbarkeit belassen, mit anderen vernetzen oder gar von ihr wegführen oder ihr widersprechen. Das Interesse an ihr ist kein hermeneutisches, es ist ein konstruktives, konzeptuelles, mit dem Strategien entfaltet werden.
Sie können eine philosophische, eine pragmatische und auch eine politische Dimension bekommen, entscheidend ist, in welchem Kontext sie die jeweiligen Personen stellen, in welche Tradition und Erbe, und was die Personen über sich in Erfahrung gebracht haben, was sie denken und wie sie handeln, und welche Sicht sie einnehmen wollen.
Die Sache der Kunst kann sicher nicht direkt in einen gesellschafts- oder kulturkritischen Einspruch umgesetzt werden oder als Gebrauchsanweisung gemeint sein. Gleichzeitig ist es nicht so, dass Gegenarbeit gesellschaftlich und kulturell alles belässt, wie es war und ist. Sie ist vielmehr eine Öffnung für Formen, soziale, kulturelle, ästhetische, die wir kennen, angeboten in Verschiebungen und Möglichkeiten des anderen Umgangs mit ihnen. Befragung und Transformation. Die Geste des Zögerns im Wegwerfen. Also die Frage: Was ist brauchbar? Was ist sinnvoll? Wie lassen sich die Dinge anders sehen oder nutzen?
Indem die Kunst fragt, wie Formen anders angeschaut, anders zu Sehen gegeben werden können, kann sie jede Form zerlegen und für andere Inhalte freigeben.
Kritische Auseinandersetzung im theoretischen oder gesellschaftspolitischen Kontext verlangt Zustimmung. Kunst braucht Anerkennung und Öffentlichkeit, nicht Zustimmung oder Bestätigung. Denn Kunst kann alle Formen durch sich selbst befragen, das ist ihre Eigenart und ihre Eigensinnigkeit. Selbstbefragung und Selbstunterlaufung. Sie kann ausbrechen und Zeit und Raum vergessen, um sich wieder daran zu erinnern, dass es kein Außerhalb geben kann, nur ein Mittendrin, das sich in Differenzierungsakten überschreitend zu artikulieren vermag. 1

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http://www.marionstrunk.ch/medien/STRUNK.RV.HGKZ.pdf, Marion Strunk , Faden.Foto.Faden.Foto , Zugriff am 14.12.2012