Der Faden

Ein Faden ist ein textiles Gebilde, aus mehreren Fasern gedreht, gewirkt oder anders verarbeitet.
Man kann daraus ein Flächengebilde herstellen.
Ein Faden ist, im Vergleich mit Garn, immer technisch begrenzt.

Der Ariadnefaden war der griechischen Mythologie zufolge ein Geschenk der Prinzessin Ariadne, Tochter des König Minos, an Theseus. Mit Hilfe des Fadens fand Theseus den Weg durch das Labyrinth, in dem sich der Minotaurus befand. Nachdem Theseus den Minotaurus getötet hatte, konnte er entlang des Fadens das Labyrinth wieder verlassen. Der Hinweis für die Verwendung des Fadens stammte von Daidalos, der auch das Labyrinth entworfen hatte.1

In christlichen und vorislamischen Religionssystemen stand der Faden kulturübergreifend für das Schicksal.

Michel Foucault: „Ariadne hat sich erhängt. An der aus Identität, Erinnerung und Wiedererkennung verliebt geflochtenen Schnur dreht sich ihr Körper nachdenklich um sich selbst. (...) Der berühmte so fest gedachte Faden ist zerrissen; Ariadne ist verlassen worden, ehe man es glauben mochte. Und die ganze Geschichte des abendländischen Denkens ist neu zu schreiben.“2

„Den Faden verlieren“ bedeutet im übertragenen Sinne, die Argumentationskette nicht zu Ende führen zu können.

Mit dem ‚roten Faden’ wird ein sich durchziehendes Grundmotiv benannt, ein leitender Gedanke oder eine Richtlinie, eine durchgehende Struktur.

„Wenn es wirklich schwierig wird“, sagt Gertrude Stein, „will man den Knoten eher entwirren als zerschneiden, so fühlt wenigstens jeder, der mit irgendeinem Faden arbeitet, so fühlt wenigstens jeder der mit irgendeinem Werkzeug arbeitet, so fühlt jeder, der irgendeinen Satz schreibt oder liest nachdem er geschrieben worden ist:“ 3

Handlungen geschehen nicht ausschließlich durch Entscheidungen, sondern auch unbewusst.
Wo etwas beginnt, gibt es immer eine Vorgeschichte.

Die Spur, das Spurenlesen und Spurverfolgen hält die elementare Erfahrung des Sich-Orientierens in der Welt bereit, die durch das Sichtbare auf das Unsichtbare aufmerksam macht, das Abwesende durch das Anwesende aufspürt, im Gegenwärtigen das Vergangene rekonstruiert, im Körperlichen das Geistige thematisiert, im Kausalen das Interpretatorische.4

Künstler bringen das ein, was sich im Gedächtnis abgelagert hat, erfinden nichts neu, verbinden und ziehen den Faden an, stellen es in den Kontext ihrer Person, ihrer Tradition.

Kunst öffnet für Formen, soziale, kulturelle, ästhetische, verschiebt und bietet Möglichkeiten des anderen Umgangs an, absichtslos.
Es gibt kein Außerhalb, nur ein Mittendrin.5


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http://de.wikipedia.org/wiki/Ariadnefaden, Zugriff am 14.12.2012
2 Michel Foucault: Der Ariadnefaden ist zerrissen. In: Gilles Deleuze/Michel Foucault: Der Faden ist gerissen. Berlin: Merve 1977., S.7f, in: Critical Crafting Circle (Hg.), crafista!, Handarbeit alsAktivismusVentil Verlag KG, Mainz, 2011, S.14
3
http://www.marionstrunk.ch/medien/STRUNK.RV.HGKZ.pdf
Marion Strunk , Faden.Foto.Faden.Foto , Zugriff am 14.12.2012
4 Sybille Krämer / Was also ist eine Spur? Und worin besteht ihre epistologische Rolle, Buch: Spur – Spurenlesen als Orientierungstechnik und Wissenskunst, Kap. 03, S.011), gerhard_dimoser.public1linz.at/fluid/03_Spur:Kraemer.doc, Zugriff am 14.12.2012
5
http://www.marionstrunk.ch/medien/STRUNK.RV.HGKZ.pdf
Marion Strunk , Faden.Foto.Faden.Foto , Zugriff am 14.12.2012