‚Verstrick dich’ mit deiner Stadt

Ein Kulturrucksack-Projekt in Kooperation mit der Stadt Duisburg (Petra Müller und Mona Bratrich beide Kulturrucksack Duisburg, Amt für schulische Bildung/Schulkotaktstelle) und mir als Künstlerin.


Gemeinsam wurden 10 Jugend- und Kultureinrichtungen gesucht, die Lust hatten, an dem Gesamtkunstwerk mitzuwirken und sich über die Kunst zu vernetzten.

In Duisburg wurde ein Kulturstadtplan für Duisburger Kinder entwickelt, der sich in 10 Stadtteilpläne teilen lässt.
Dieser bildete die Grundlage zur Entwicklung des spartenübergreifenden (Bildende Kunst/Neue Medien) , soziokulturellen Strick- und Videoprojekts.

Beteiligt haben sich ca. 150 Kinder und Jugendliche, bisher 8 verschiedene Einrichtungen: Jugendzentrum Angertaler Straße, Kinderheim St. Joseph, Erich-Kästner-Gesamtschule, Gustav-Stresemann-Realschule, Regionalzentrum Süd, Ruhrorter Hafenkids, Kulturverein Gülyurdu...

Die Verstrickungen mit der Stadt:

Der in 10 Teile gegliederte Kulturstadtplan für Kinder wurde auf jeweils 1,50 m hohe und 2 m breite Stoffbahnen grob skizziert übertragen.

Jede Einrichtung besuchte ich an jeweils zwei Tagen für 3 bis 4 Stunden.
Der gesamte Stadtplan wurde immer zu Beginn gezeigt, um eine Gesamt-Verortung der Kinder und Jugendlichen zu schaffen und ihnen die Möglichkeit zu geben, ihren Teil zu erkennen. Die Kinder suchten wo sie wohnen, wo sie zur Schule gehen, was sie wiedererkennen...

Die Stadtplanstücke:
Ich brachte einen großen Fundus an Wolle unterschiedlichster Farben, Dicken und Materialität mit, zudem Kordeln einer alten schweizer Dame aus Basel, die, kaum sehend, sich an diesem Projekt – blindfertigend – beteiligt. Eine Geschichte am Rande.

Zunächst drehten wir Kordeln, per Hand, geflochten, gedreht, dick, dünn, einfarbig, bunt, weich, hart, ganz wie die Kinder/Jugendlichen mochten. Sehr beliebt war das Anfertigen mit der, in diesem Fall, zweckentfremdeten Bohrmaschine, die alle mit Begeisterung bedienten, ob Junge oder Mädchen.
So wurden auch die verschiedenen Haptiken, ganz ‚nebenbei’, korrespondierend zum Gesamtkonzept, zum Thema.
Das Herstellen der Kordeln basiert auf einem komplexen, gesellschaftsreflektierenden Konzept, in dem es um ‚Verbindungen’, ‚Verknüpfungen’, ‚Sich verstricken’, ‚Sich einlassen’ geht.
Projektziele sind genaues Hinsehen, genaues Kennenlernen des Stadtteils in dem man wohnt, Verbundenheit mit der Stadt und Erkennen/Erfühlen, dass alles zusammen gehört, auch über das eigene ‚Feld’ hinaus.

Die fertigen Kordeln werden mit Heißkleber auf den vorbereiteten Stoff geklebt und so das Stadtbild nachempfunden.

Es entstanden bisher acht große bunte Stoffstücke, die an sich schon einen künstlerischen Charakter haben.
Jedes Teil ist anders, obwohl die einzelnen Stoffteile jeweils das gleiche Maß haben, sind sie doch unterschiedlich, fügen sich aber letztlich zum Gesamtwerk – zum Stadtplan (auch im übertragenen Sinne), der Heimatstadt Duisburg, zusammen.
Viele Teile ergeben ein großes Ganzes, dieser Gedanke lässt sich auch auf das Zusammenleben in einer Stadt übertragen.
So entsteht ein buntes Bild der jungen Generation mit dem Blick auf ihre Heimatstadt.

Die Filme
Parallel drehten die Kinder und Jugendlichen einen kleinen Film (in der Endfassung ein bis zwei Minuten lang) in ihrer jeweiligen Einrichtung, in dem sie sich zu ihrem Stadtteil äußerten und ihre eigenen Vorlieben verbalisieren konnten. Ich habe bewusst nicht viel eigegriffen, da die Kinder und Jugendlichen die Möglichkeit haben sollten, ihre persönliche Lebenswelt abzubilden. Die Partizipation und Subjektivität der Interviewer und der Interviewten halte ich als emanzipatorisches Element für wichtig: ‚es ist mir wichtig, was dir wichtig ist’...
Die Fragestellung lautete: ‚wie beschreibt ihr euren Stadtteil’. Die Kinder und Jugendlichen erhalten so die Möglichkeit sichtbar zu sein, ihre Stimme findet Gehör. Es gibt z.B. Gründe, weshalb sie in Duisburg-Marxloh gerne sind, ein Gegengewicht zur negativen Medienberichterstattung. Die Kinder/Jugendlichen können sich somit als aktive Akteure in ihrer Stadt wahrnehmen.
Durch die stadtweite ‚Bearbeitung’ des Projekts erreichte ich viele Kinder zwischen 10 und 14 Jahren, unabhängig von sozialer Struktur und Herkunft.


Das Zusammenfügen:
Am Ende werden 10 große Stoffstücke entstehen. Oben und unten durch Latten stabilisiert, ergibt das ein Gesamtbild von mindestens 4m Breite und 7,50 m Länge.


Die Präsentation:
Es soll im Herbst/Winter eine zentrale gemeinsame Abschlusspräsentation am Duisburger Rathaus geben, bevor der Plan in den sieben Stadtbezirken präsentiert wird.
Dies wird auch in jeder Einrichtung thematisiert, die Endpräsentation bietet zudem die Möglichkeit, dass sich die Kinder und Jugendlichen aus allen Stadtteilen real begegnen, eine weitere Ebene der ‚Verstrickungen’.

Während der Präsentation sollen die jeweiligen Stadtteilfilme auf den entsprechenden Stadtteil projiziert werden.
Es handelt sich also um einen filmisch belebten und Identität stiftenden gemeinsamen Stadtplan mit Stimmen und Gesichtern der jugendlichen StadtteilbewohnerInnen.
So wächst die Stadt zu einem Heimatort ‚Mein Duisburg’ zusammen.


Stadtplan gesamt klein



Anhang:
    Anlage: ‚Teaser’ kurze Ausschnitte der‚Verstrick-dich-Filme’ mit einigen
    Bildern der Herstellung



    Stadtplan bearbeitet Kopie